Mainzer Kunstpreis Eisenturm 1985 bis 2002

Der Mainzer Kunstpreis Eisenturm - jährlich ausgeschrieben - wurde von 1985 bis 1989 von der Sparkasse Mainz gesponsert. Seit 1990 stiftet die Mainzer Volksbank die Preise und stellt dem Kunstverein Eisenturm ihre Ausstellungsräume kostenlos zur Verfügung - zunächst im Haus Zum Stein und seit 1997 in der MVB-Galerie,  Kaiserstaße 58

Bundesweit ausgeschrieben, die Partnerstädte von Mainz miteinbezogen, wurden in den vergangenen fünfzehn Jahren über 6000 Bewerbungen eingereicht.

Das war 2002:

P r e s s e m i t t e i l u n g

Preisträger  Mainzer Kunstpreis Eisenturm 2002

VOR-BILDER(N)

Am Samstag, dem 9. November 2002, fand die Jury-Sitzung zum Mainzer Kunstpreis Eisenturm 2002  in der MVB-Galerie statt.

Das Votum  für die von der MVB ausgelobten Preise wurde einstimmig vergeben: 

Edith Müller, Mainz (1. Preis)

Edith Müller fotografiert Körperpartien einer älteren Frau (Margot), inszeniert sie – leicht überlebensgroß -, registriert dabei penibel die körperlichen Veränderungen im Alter und präsentiert in der Schutzlosigkeit des Aktes offen alle Altersspuren. Es entstehen eigenständige ästhetische Werke – nahezu Körperlandschaften -, die nicht den gängigen Vorbildern täglich publizierter Schönheitsideale entsprechen – weder dem Jugendwahn – noch den zahllosen Aktaufnahmen einschlägiger Gazetten. Eine eigene – nicht nur – Bildwürde begegnet dem Betrachter, die durch die dunkle Raumfolie noch gesteigert wird. Das mögliche, neue Vorbild hier: die körperlichen Veränderungen, die mit dem Altern einhergehen, nicht zu verdrängen und deren gesellschaftliche Bewertungsschemata zu überprüfen.

Birgid Helmy, Wiesbaden (2. Preis)

Das Kommunionkind: Die erste heilige Kommunion gehört zu den wichtigsten Erinnerungen in der Kindheit. Die Bedeutungstiefe der Kommunion kann von den Kindern meist noch nicht wahrgenommen werden. Das weiße Kleid, welches die unschuldige und bereite Braut symbolisiert, ist als einzigartiges Gewand mit vielen Inhalten und Phantasien belegt. Es nimmt in der Gedankenwelt vieler Mädchen eine wichtige Rolle ein. Die große Braut, die „perfekte“ idealisierte Frau ist Vorbild und Orientierungspunkt zugleich. Das Kind trägt jetzt das Kleid und ist damit äußerlich beinahe zum Vorbild geworden. Die ganze Körperhaltung – ohne Boden unter den Füßen – drückt aber etwas Eigenes aus und macht deutlich, dass sie wohl nicht wirklich die Vorbildrolle angenommen hat. 

Anne Fraaz-Unterhalt, München (3. Preis)

Anne Fraaz-Unterhalt verwendet als künstlerisches Ausdrucksmittel skizzenhafte Zeichnungen – Bleistift und Kohle – und setzt damit Alltagsfiguren in Szene, die ohne individuelle Ausprägungen gesehen sind. Physiognomische Wiedererkennung ist nicht das Darstellungsziel, eher die von Alltagslast, Altersmüdigkeit Gezeichneten, die versunken auf einer Parkbank sitzen. Ältere Frauen in Ruhe und Gelassenheit, auf das Wesentliche konzentriert, können hier als Vorbild für vielfältige Lebenssituationen dienen. 

Die Juroren waren:

Dr. Norbert Suhr, Landesmuseum Mainz

Mathias Graffé, BBK-Vorstandsmitglied

Beate Hötzl, MVB-Öffentlichkeitsarbeit/Marketing

Prof. Dr. Hans-Jürgen Imiela, Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Dr. Otto Martin, Vorsitzender des Kunstvereins Eisenturm

Die Preisverleihung durch Herrn Walter Schmitt, Mitglied des Vorstandes der MVB, findet am Donnerstag, dem 14. November 2002, um 19 Uhr, in der MVB-Galerie, Kaiserstraße No 58, statt.

Gleichzeitig wird eine Ausstellung mit einem Teil der eingereichten Wettbewerbsarbeiten eröffnet.

Vorsitzender des Kunstvereins Eisenturm

 

 

Edith Müller, Mainz (1. Preis)

    

 

Birgid Helmy, Wiesbaden (2. Preis)

 

 

Anne Fraaz-Unterhalt, München (3. Preis)